Besuch im Raumakustischen Labor von Dipl.- Ing Thomas Behr

Im altehrwürdigen Gewölbe der ehemaligen AEG- Turbinenhallen auf dem Technologie und Innovationspark Berlin befindet sich das raumakustische Labor von Thomas Behr, einem Experten auf dem Gebiet der physikalischen Modelltheorie für Raumakustik. Ob Konzerthäuser, Plenarsäle oder architektonische Kunstgriffe für Berliner Hinterhöfe, Projekte solcher Art lassen sich in nur wenigen Schritten im Labor real erkunden.

Aus einer Zeit, in der noch ohne oder vergleichsweise sehr geringer Computerunterstützung raumakustische Planungen vollzogen wurden, erstellte man in Zusammenarbeit mit professionellen Modellbauern physikalische Modelle der zu planenden Räume im Maßstab 1:20. Diese Methode, die auf Grund der Größenverhältnisse auf Ultraschallmessungen beruht, erweist sich auch heute noch als ein sehr leistungsfähiges und vor allem räumlich erlebbares Verfahren zur Echtzeitsimulation der Schallausbreitung im Raum.

Die schiere Menge an zweckoptimierten kleinen Werkzeugen, selbstgebauten Behelfsmittel und kunstvollen Improvisationen lässt erkennen, wie viele Jahrzehnte an Erfahrung in diesen Wänden behütet werden, und was mit dem Wort „Kunst“ in „IngenieursKunst“ wohl eigentlich gemeint wird, denn hier ist es doch/noch eine unhintergehbare Auseinandersetzung mit dem Material, die ihre Spuren hinterlässt. Gemessen wird im Ultraschallbereich und als Schallquelle dient ein steuerbarer Funkenübersprung mit variabler Richtcharakteristik.

Auf diese Weise lassen sich leicht ganze Orchesterbesetzungen ins Modell bringen, hin und herschieben, vergrößern und verkleinern, wobei die Richtcharakteristik der Instrumentengruppen stets berücksichtigt wird. Aber auch für die Messungen stehen für den Ultraschall optimierte binaurale Messmikrofonaufbauten zur Verfügung, die man leicht an der charakteristischen Taucherglockenoptik erkennen kann. Geeichte Messmikrofone mit Kugelcharakteristik gehören selbstverständlich zum Standard.

Der besondere Vorteil dieser physikalischen Modellmessungen besteht darin, dass, während die Messtechnik in kurzen Abständen regelmäßige Messungen der Raumimpulsantworten generiert, man wie ein Koch in der Küche die richtigen Zutaten dem Raum beifügen kann, indem man Ort und Art von Absorbern und Reflektoren mit einem Griff ins Modell ständig variieren kann, oder man mit einer Bewegung des Messmikrofons leicht die interessierenden Bereiche des Raumes untersuchen kann während man in Echtzeit die Messergebnisse auf einen Monitor abliest. Es entsteht so sehr schnell ein Gefühl für die raumakustischen Eigenschaften und auch für eine Bewertung der dem Raum beigefügten schalltechnischen Eingriffe.